Samstag, 7. Oktober 2017

I Will Survive

Für the World is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid to Die wird es 2017 richtig ernst. Das große Emo-Revival, unter dessen Flagge die Band aus Connecticut vor vier Jahren an die Oberfläche des Topshelf-Hypes gespült wurde, ist mittlerweile endgültig Schnee von Vorgestern und somit auch die Garantie dafür, dass Menschen diese Musik cool finden. Die meisten Künstler*innen der Bewegung, wie You Blew It!, the Hotelier oder Into It.Over It, gelten mittlerweile als die so ziemlich uncoolsten Sachen überhaupt und bekommen die Gnadenlosigkeit der Revival-Kultur unangenehm zu spüren. Und auch für TWIABP stehen die Sterne ehrlich gesagt nicht unbedingt günstig. Das letzte Album war vor zwei Jahren erstmals ein kleiner stilistischer Rückschritt für die Band und dass sie jetzt bei der Label-Größe Epitaph unter Vertrag stehen, kann langfristig sowieso nichts Gutes verheißen. Doch anders als der Großteil der anderen Projekte war diese Formation wenigstens nie eine bloße Reproduktions-Maschine der Neunziger-Szene, sondern stets eine sehr eigenständige Sache. Emo war zwar die Marschrichtung, aber der Weg dahin führte nicht selten auch über Postrock, Americana und Indiepop, was sich auch im Songwriting niederschlug. Die sehr eigene, tatsächlich auf neue Jahrtausend angepasste Interpretation, die TWIABP von Emorock hatten, machte sie zuletzt zur einzig hörenswerten Band innerhalb der Bewegung. Und genau das könnte ihre Integrität jetzt über die Zeit retten. Alles was nötig ist, ist ein spannendes, eingängiges Album, das diese Faktoren ihrer Musik unterstreicht. Sollte machbar sein. Ist es auch geworden, auch wenn Always Foreign die mit Abstand bisher schwächste LP ihrer Diskografie ist. Das Problem, das TWIABP hier haben, ist nicht, dass sie ihren eigenen Stil rechtfertigen müssten, das haben sie schon oft genug getan. Sie sind nur mittlerweile ein bisschen zu sicher darin. Die neue Platte hat in meinen Augen tatsächlich nicht einen wirklich miesen Moment, aber eben auch keine so beeindruckenden wie die letzten beiden. Die Musik hier ist ausgesprochen solide gemacht, kompositorisch wie klanglich, und setzt in vielen Dingen das Erbe seines Vorgängers Harmlessness fort. Was fehlt sind lediglich die großen Momente, die dieses Album hatte. Tracks wie the Word Lisa oder You Can't Live There Forever gibt es hier überhaupt nicht, stattdessen viel subtile musikalische Mikrokosmen, für die diese Band erkennbar weniger Talent hat. An manchen Stellen wie in Fuzz Minor oder Infinite Steve ist Always Foreign etwas rockiger als die Sachen zuvor, aber das sind Kleinigkeiten. Und für Kleinigkeiten sind TWIABP nicht die Richtigen. Wo der Vorgänger es erstmals schaffte, die ganze instrumentale Größe des Septetts (!) klanglich aufzufangen, sind die Songs hier wieder auf kosmetische Mengen an Orchestrierung zusammengeschrumpft und lassen in den wenigen Momenten ihrer Entfaltung viel Luft nach oben. Es könnte also wesentlich besser sein. Nichtsdestotrotz ist Always Foreign ein absolut stabiles Album, das den Sound der Band vielleicht nicht ausbaut, aber wenigstens konserviert und mich bei aller fehlenden Energie nicht enttäuscht. TWIABP beeindrucken hier nicht wirklich, ist klar, aber sie klingen auf keinen Fall nach einer Gruppe, der die Ideen ausgegangen sind. Diese LP gehört eben einfach zu ihren weniger guten in den letzten Jahren. Mir persönlich reicht es schon zu sagen, dass ich mich in Zukunft auf weiteres Material dieser Band freue. Denn damit haben sie in meinen Augen offiziell ihr Revival-Dasein überlebt.





Persönliche Highlights: I'll Make Everything / the Future / Gram / Marine Tigers / Fuzz Minor / Infinite Steve

Nicht mein Fall: -

CWTE auf Facebook

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen