Mittwoch, 4. Februar 2015

Schwitzhütte & kalte Dusche

MOUNT EERIE
Sauna
P.W. Elverum & Sun
2015















Sauna. Was für ein dämlicher Name für eine Platte. Mal ganz ehrlich, Phil Elverum ist seit Jahren als großer Folk-Poet bekannt und lässt sich für sein neuestes Projekt keinen besseren Namen einfallen als Sauna? Da muss doch was im argen sein. Doch spätestens wenn man in die Platte reinhört und der Titeltrack das Ganze eröffnet, wird alles ein bisschen klarer: Hier wird tatsächlich versucht, die Atmosphäre eines Dampfbades in Töne zu fassen. Sicherlich gibt es immer noch bessere Ideen für Songs, doch immerhin weiß der Mount Eerie genannte Songwriter, wie so etwas zu klingen hat. Zusammen mit dem lauschigen Artwork wird das zehnminütige Stück schnell zum Kurzurlaub in die Wälder Finnlands, wo nackte alte Männer im Dampf sitzen und sich mit Birkenstöcken bearbeiten. Eine nette Einleitung für so ein Album. Jedoch auch etwas absurd, wenn man sich die restlichen Songs anguckt. Denn nachdem einen der Opener mit sparsamen Ambient-Klängen ins Delirium gelullt hat, folgt mit Turmoil ein klassicher Gitarrensong und damit der Sprung ins kalte Wasser. Und was noch absurder ist: Er klingt viel besser als das Eingangsstück. Man ist solche klaren Songs von Mount Eerie gar nicht mehr gewöhnt, nachdem sich die letzten Platten wahlweise mit Black Metal, Punk und Drone beschäftigten. Mit diesem zweiten Titel bringt Elverum nun wieder klassischen Folk ins Spiel. Ein Element, das Sauna unglaublich aufwertet. Denn obwohl hier nach wie vor noch starke Ambient-Einflüsse und Elektro-Schnipsel vorherrschen, entspannen die paar "normalen" Songs den Gesamteindruck ungemein. Das ist vor allem in den Gesangsparts bemerkbar, die hier sehr viel mehr nach den ersten Mount-Eerie-Platten klingen. Das nimmt der Musik die Unnahbarkeit und sorgt vor allem für Abwechslung. Wenn auf das ambiente Something das rockige Boat folgt, ist man als Hörer schon angenehm überrascht. Vor allem weil die Tracks auch in sich gut funktionieren. Zuerst hatte ich es als Schwäche gesehen, dass sich Sauna nicht so richtig festlegen kann. Doch nach mehreren Durchgängen bin ich der Überzeugung, dass dieser sprunghafte Charakter das Album überhaupt erst interessant macht. Zwölf Variationen des Titelsongs wären auf Dauer ziemlich öde geworden. So wie es letztendlich geworden ist, spricht die Platte auf verschiedenen Ebenen an. Und ist ganz davon abgesehen mal wieder etwas ganz neues im Kosmos von Mount Eerie. Nach meinen anfänglich großen Bedenken an diesem Longplayer habe ich mich doch recht schnell mit ihm anfreunden können. Es ist kein Meilenstein in der Diskografie von Phil Elverum, gehört aber zu den besseren seiner Soloalben. Und das war jetzt eine Weile nicht mehr der Fall. Wenn sie nur nicht so einen dämlichen Namen hätte...
8/11

Beste Songs: Turmoil / Boat / Pumpkin

Nicht mein Fall: Sauna

Weiterlesen:
Review zu Leave Me Like You Found Me (William Ryan Fritch):
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