Donnerstag, 26. Februar 2015

Für immer breit

COLOUR HAZE
To the Highest Gods We Know
Elektrohasch
2015















Glaubt man kaum, dass es die auch schon seit zwanzig Jahren gibt. Andererseits gab es zumindest für mich auch kaum eine Zeit, in der Colour Haze mal nicht da waren. Unter den bei mir so verpönten Retro-Proto-Metal-Desert-Rock-Acts hat kaum eine Band mit kontinuierlich so zugesagt wie diese drei Münchner. Und dass es alle zwei, drei Jahre ein gutes bis sehr gutes Album gab, ist auch nicht zu verachten. To the Highest Gods We Know ist nun das ganz neue und ein kleines bisschen ein Geschenk der Künstler an sich selbst für zwei Jahrzehnte fesselnden Riffrock. Und wie sollte man so einen Anlass besser feiern als mit noch mehr fesselndem Riffrock? Mit der neuen Platte ist Colour Haze nämlich schon wieder ein echtes Sahneschnittchen gelungen, das überall saftig groovt und vernebelte Hippie-Weihrauch-Romatik atmet. Die sechs Songs in Einundvierzig Minuten machen einem wieder mal klar, warum ausgerechnet das hier die Bluesrock-Band meines Vertrauens ist und auch bleiben soll. Wer sich im Opener so entspannt ganz tief in den Psychedelic-Sumpf kniet und dort auch für ein funkiges Paradise oder ein zu Anfang fast ambientes Überall nicht mehr rauskommen muss, dem hört man einfach gerne zu. Vor allem auch, weil Colour Haze es wie niemand anderes hinbekommen, einen fantastischen Klang zu erzeugen. Es lohnt sich, hier wirklich mal auf Dinge wie die Abmischung oder die Produktion zu hören. Die Gitarre hält sich das ganze Album über hinter dicken Rauchschwaden zurück, aber dominiert trotzdem mit jedem Ton den Song. Nicht zu übersehen sind dabei die flockigen Harmonien, mit denen die Tracks hier auf Abenteuerreise gehen. Und während sich der Sechssaiter in immer tiefere Traumfasern webt, pluckern im Vordergrund der Bass und ein herrlich pappiges Schlagzeug, das man bei Jaki Liebezeit immer so mochte. So klingt psychedelischer Rock am besten. Und Colour Haze müssen dafür noch nicht mal das Instrumentarium erweitern oder in die kunterbunte LSD-Box von Bands wie Radio Moscow oder Spidergawd greifen. Hier klingt auch das bodenständigste Blues-Handwerkszeug irgendwie schwerelos und dauerbreit. Daran sieht man auch, wie wichtig Dynamik in einer solchen Fomation ist. Wer solche Jams basteln will, der muss gut zusammen spielen. Und dieses Trio klingt hier wie aus einem Guss. Mal wieder. Wenn dies hier nicht mein erstes Review zu einer Colour-Haze-Platte wäre, würde ich mich nur wiederholen: Es ist schön, ein mit so viel Herzblut gemachtes Rockalbum zu hören, das von vorne bis hinten einwandfrei funktioniert. Die zwanzig Jahre sind also hoffentlich noch nicht alles, was uns diese tolle Band geboten hat. Denn wenige andere zeigen mir, wie großartig Classic Rock klingen kann, wenn er denn gut gemacht ist. Und jetzt bitte alle aufstehen und applaudieren.
9/11

Beste Songs: Circles / Paradise / Überall

Nicht mein Fall: -

Weiterlesen:
Review zu II (Spidergawd):
zum Review

Review zu Commune (Goat):
zum Review

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