Dienstag, 3. Februar 2015

Eine Seefahrt, die ist...ganz schön schräg

MATANA ROBERTS
Coin Coin Chapter Three: River Run Three
Constellation
2015













Matana Roberts ist kein leichter Fall. Die amerikanische Saxofonistin und Sängerin gehört vielleicht zu den anspruchsvollsten Sachen, die auf diesem Blog jemals passiert sind und passieren werden, deshalb gleich die Vorwarnung: Wem sich bei Free Jazz die Nackenhaare sträuben und wer beim letzten Album von Scott Walker nur Geschrei gehört hat, braucht hier gar nicht weiter zu lesen. Diese Platte ist definitiv nichts für euch. Für die mutigen zunächst mal ein bisschen Hintergrund. Matana Roberts existiert im musikalischen Bewusstsein bereits seit 2002, als sie für Godspeed You! Black Emperor an Teilen von Yanqui U.X.O. mitarbeitete. Folglich erhielt sie auch einen Deal bei deren Label Constellation, auf dem sie seitdem fleißig Avantgarde-Jazz-Alben veröffentlicht. Interessant wurde Roberts für die meisten mit dem 2011 erschienenen Coin Coin Chapter One: Gens de Coleur Libres, auf dem sie sich mit der Geschichte der Sklaverei in Amerika beschäftigte. Ein historisch wie musikalisch sehr pikantes Projekt, von dem nun im Zweijahresrhythmus jeweils ein neuer Teil erscheint. River Run Three ist 2015 logischerweise Platte Nummer drei, Thema ist diesmal das Tagebuch eines Kapitäns, das eine Reise durch die Südstaaten der USA beschreibt. Die Rezitation dieser Texte ist elementarer Teil der Songs hier, koloriert wird das ganze mit ambienten Field Recordings, Gesangs-Samples und natürlich den Saxofon-Jams von Roberts. Der Eindruck schwer verdaulicher Konzeptkunst ist da vorprogrammiert. Und tatsächlich ist dies bei River Run Three zeitweise der Fall. Auf den beiden Vorgängern verstand es die Künstlerin noch, zwischen ihre ausgedehnten Free-Jazz-Passagen und Schreikrämpfe Einflüsse aus Dixieland, Gospel oder Blues einzuflechten, die das komplizierte Geflecht auflockerten. Hier hingegen erlebt man einen kontinuierlichen Fluss (thematischer Bezug!) dieser Avantgarde-Schnipsel, die sich über die kompletten 45 Minuten ziehen. Matana Roberts gelingt es zwar auch hier, für Abwechslung zu sorgen und sie spielt den Aushilfs-Scott Walker ziemlich gut. Dennoch fehlt hier irgendwie der entspannte Gegenpart, der die letzten beiden Alben ausmachte. Am Ende fällt es deshalb auch schwerer, River Run Three als Teil einer Serie zu verstehen, weil er so aggressiv anders klingt als das bisherige Material. Eine schlechte Platte ist sie deswegen nicht, wenn man mal von ihrer generellen Gewöhnungsbedürftigkeit absieht. Vielleicht etwas schwächer als Part eins und zwei, aber an sich kein Beinbruch. Und den nächsten neun geplanten Coin-Coin-Alben stehen durch dieses hier jetzt alle Türen offen. Wobei ich noch nicht weiß, ob das eine gute Nachricht ist...
7/11

Bester Song: Dreamer of Dreams

Nicht mein Fall: Nema, Nema, Nema

Weiterlesen:
Review zu Soused (Sunn O))) & Scott Walker):
zum Review

Review zu Enclosure (John Frusciante):
zum Review

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